Aus dem Hintergrund: Christoph De Vries

12 Antworten auf „Aus dem Hintergrund: Christoph De Vries“

  1. Eigentlich höre ich mir Politiker-Interviews sehr selten an. Sie weichen meistens nicht weit von ihrer offiziellen Parteilinie ab. Es gibt keine neuen Informationen. Fragen nach den großen Themen der Bundespolitik zu stellen, bringt deswegen nichts.

    Es gab eigentlich nur einen interessanten Punkt. Da wo du versucht hast zwischen Zuwanderern (die ich lieber Einwanderer nenne) und Flüchtlingen zu differenzieren. Die CDU differenziert natürlich nicht. Für die sind alle (armen und/oder muslimische) Fremden gleichermaßen fremd.

    Lokale Themen in Bezug auf Hamburg sind interessanter. Da ist aber der Bundestagsabgeordnete auch nicht immer der relevanteste Ansprechpartner. Meinung zur christlichen Schule oder zur Verteilung der Flüchtlinge auf HH vs MeckPomm waren nicht uninteressant. Er will Flüchtlinge auf die Fläche verteilen – schwierig.

    Es gibt eigentlich nur selten einen Grund einen Abgeordneten zu interviewen. Hier hattest du mit HH wenigstens einen persönlich Bezug.

    Am Ende sagst du was über die Zweitstimme. Das stimmt so nicht. Mit der Erststimme wählt man den Direktkandidat und entscheidet vielleicht darüber, ob der Kandidat in den Bundestag kommt. Nicht jedoch im Falle des Herrn de Vries. Der war ja über einen Listenplatz abgesichert. Manchmal ist die Erststimme fast wurscht.

    Fazit: Gutes Interview mit einer nur bedingt interessanten Person, weil Bundestagsabgeordnete in einem Paralleluniversum existieren, aus dem man sie nur für Sekunden heraus beamen kann.

    1. Mit der Zweitstimme beeinflusst man die Mehrheitsverhältnisse. Die Partei, die man mit der Zweitstimme wählt, hat eine größere Chance, einen weiteren Listenkandidaten ins Parlament zu bringen. Das ist aber einer ganz hinten auf der Liste, nicht ganz vorne. Herr De Vries ist aufgrund der Zweitstimmen für die CDU in Hamburg ins Parlament gekommen.

      1. Achso, ich hatte gedacht Listenplatz 3 ist eher vorne. In Hamburg ist das aber nicht so, weil es ein kleines Bundesland ist.
        (ich komme aus NRW)

  2. Danke für diesen neuen Podcast. Ich bin schon sehr gespannt auf die noch kommenden Folgen. Hintere Listenplätze dürften sich als interessant erweisen, weil da oft versucht wird den Standardsprech der “Großen” nachzuahmen, das aber meist nur mäßig gut gelingt und dann eben doch nochmal was anderes oder etwas weniger auf Gefälligkeit Geschliffenes rüberkommt.

    De Vries’ Kommentar zur SPD fand ich schon sehr zynisch. Von wegen die müsse sich mal zusammenreißen. Seit Jahren hört man aus der Bundesebene der SPD immer wieder ein Bekenntnis zur Agenda 2010 und eine Bekräftigung der großen politischen Entscheidungen in der Regierungsverantwortung. Also eigentlich einen (mir viel zu betonten) Treueerweis gegenüber der CDU. Und er übt sich dann erstmal im Backstabbing. Kein Wunder, dass die SPD keinen Bock mehr auf eine Koalition mit der CDU hat – von den vernachlässigten sozialen Themen mal abgesehen.

    Und dass er die inzwischen auch in der Wissenschaft höchst umstrittenen Auswirkungen der Agenda 2010 einseitig auf den Teil der Lehrmeinungen reduziert, die diese Maßnahmen für Deutschlands wirtschaftlichen Erfolg Alleinverantwortlich machen, ist natürlich typische CDU-Scheuklappen-Denke.

    Als es um das Thema Armut ging und De Vries mit den sinkenden Armutszahlen konterte und so das allgemeine Thema der sozialen Bedrängnis vom Tisch wischte, hätte ich mir gewünscht, dass du nochmal nachhakst. Schließlich bedeutet bei den vielen eher prekären Beschäftigungsverhältnissen, die wir inzischen haben, Arbeit nicht, dass man nicht trotzdem arm sein kann.

    Bevor ich mich aber noch mehr aufrege: Danke für den erhellenden Podcast. Ich freu mich schon auf mehr.

    PS: So oft, wie Herr De Vries auf den Tisch gehauen hat, wäre es wohl klug, die Interviewpartner in Zukunft nicht mehr an einen Tisch zu setzen ^^

  3. Hallo Toby,
    seit einiger Zeit höre ich den Realitätsablgeich und freue mich, dass du dieses spannende Format gestartet hast! Genau das Thema der Kandidaten für die es um etwas geht, die man eben eher nicht kennt, fand ich schon seit Jahren interessant. Oft kann man anhand der Wahlprognosen recht genau ausmachen um welche 2-3 Personen pro Partei es da geht. Zudem kann man auf diese Art erfahren welche Motive in einem ganz unterschiedlichen Spektrum vorliegen um sich in Bundes- oder Landespolitik zu engagieren, auch bei Leuten die weit vom eigenen Tellerrand entfernt arbeiten.
    Ich würde mich über ein Interview mit einer Grünen-MdB aus meinem Wahlkreis freuen die ebenso zu den Glücklichen gehört. Wenn du magst, melde dich bei mir, vielleicht kann ich einen Kontakt vermitteln.
    Ich hoffe auf viele interessante Folgen!
    Marc

  4. Da ich ein großer Fan von Feedback bin (und du scheinbar auch) und die Idee zum Podcast total toll finde, hier mal meine Gedanken dazu:

    Die Idee Hinterbänkler zu interviewen finde ich total großartig. Nicht nur, weil auf diese Personen die Wahlentscheidung einen größeren Einfluss hat, sondern auch weil diese Leute seltener in den anderen Medien zu Wort kommen. Dementsprechend finde ich es aber eher langweilig, diesen Leuten genau die Fragen zu stellen, die bei Anne Will, Hart aber Fair oder der Tagesschau auch schon gestellt wurden (Einwanderung, Obergrenze, Neuwahlen, Fraktionszwang).

    Ich persönlich fände ja tatsächlich mehr “Hintergründe” interessant, also das was hinter den Kulissen passiert, wie der Alltag eines Abgeordneten überhaupt aussieht, was den Menschen zu seiner “Karriere” bewegt hat, wie sie Kontakt zum “Mann auf der Straße” halten, wie sie sich in den Institutionen (z.B. dem Bundestag) zu Recht finden, die ja auch immer eine eigene Welt mit einer eigenen Dynamik abbilden, usw.

    Was ich schön fand, war die Ausführlichkeit mit der geantwortet wurde. Kleine Snippets und “Gotcha!”-Zitate gibt es schon zur Genüge und viele Positionen fand ich deutlich nachvollziehbarer nachdem der Kontext und die Details erläutert wurden. Das ist einer Gründe weshalb ich Podcasts liebe 🙂 Spannend war aber auch wie rhetorisch geschickt selbst so ein “Hinterbänkler” agiert, so dass mir (und teilweise anscheinend auch dir) erstmal gar kein guter Konter eingefallen ist.

    So, das waren meine Gedanken dazu. Vielleicht nur eine individuelle Einzelmeinung, aber auch sowas kann ja hilfreich sein 🙂

  5. Hallo Toby,
    wirklich eine sehr gute Idee mit den “Hinterbänklern”.
    Das erste Interview war schon sehr informativ und erschreckend. Ich fand ihn trotz deiner Einleitung sehr auf Partei-Linie.
    Wenn das schon beim ersten Gast so entlarvend ist, dann bin ich sehr gespannt auf mehr. Ich gehe davon aus, dass das bei einer Wahlentscheidung sehr hilfreich sein wird.
    Weiter so!
    VG, Sebastian

  6. Hi Toby,
    Ich muss dir dankbar sein für diese erste Folge des neuen Podcast.
    Die Einstellungen der CDU und anderer rechter (sie würden sich selbst wohl als “konservativ” bezeichnen) Parteien sind für mich kaum erträglich. Und auch in deinem Beitrag war ich mehrere male kurz vorm Abschalten. – ich habe mich aber durchgequält, was wahrscheinlich daran liegt, dass Du durch deine Podcasts für mich sehr sympathisch bist.
    Wenn es heißt, die politischen Lager (und die Gesellschaft) seien so gespalten wie noch nie, dann bin ich wohl eindeutig damit gemeint. Ich bin mir nicht mal sicher, ob das schlecht ist. Jedenfalls war es für mich das erste mal, seit sehr sehr langer Zeit, dass ich einem CDUler zugehört habe. – mit viel Brechreiz, aber ich habe zugehört und ich wurde in meiner Ablehnung bestätigt.
    Ich glaube, dass die meisten Leute das Anhören des politischen Gegners als Wert an sich betrachten. Dazu leistet diese Folge (jedenfalls für mich) einen wichtigen Beitrag.

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